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Der Nächste bitte: Jetzt bricht Italiens Wirtschaft ein

13 Juni 2012 No Comment

Die Erleichterung der Börsen über das angebliche 100 Milliarden Euro Rettungspaket für Spanien währte nur vergleichsweise kurz. So konnte der DAX in Frankfurt am Montag Vormittag zeitweise ein Plus von beinahe 2 % verbuchen, welches allerdings bis zum Montagabend beinahe wieder ganz abgeschmolzen ist.

Denn die Märkte realisierten relativ schnell, worum es sich bei dem “Rettungsschirm” wirklich handelt: Die spanischen Banken werden durch eine künstliche Kapitalspritze bzw. Refinanzierung am Leben gehalten, die von den anderen europäischen Ländern über das Hilfskonstrukt EFSF bzw. ESM zur Verfügung gestellt wird. Vor diesem Hintergrund sind die Sorgen um die Weiterentwicklung bzw. Konjunkturentwicklung in Italien zu sehen! Vor dem Hintergrund der auseinanderdriftenden EURO-Zone schlagen die aktuellen Konjunkturdaten wie eine Bombe ein.

Obwohl die italienischen Statistikbehörden (istat.it: direkte Quellen unter dem Artikel) die Bekanntgabe der negativen Zahlen auf mehrere Tage verteilt haben und so die Wirkung etwas zu verwässern versuchten, sprechen die eindeutigen Zahlen für sich. Interessant dabei ist, dass diese Zahlen nicht nur in diesem Text zu finden sind, sondern auch in vielen Presseberichten und Artikeln vom 12.Juni 2012. Die Kerndaten sind die Folgenden. Im Zeitraum vom Januar-April 2012 hat sich die Industrieproduktion um 6,6 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verringert. Dabei war der April 2012 mit einem Minus in der Industrieproduktion von 9,2 % ein wirklich desaströser Monat. Diese Entwicklung weist schon fast auf die fünfte Weltwirtschaftskrise 2012 hin, die mit der Schuldenkrise in Europa durchaus seinen Anfang nehmen könnte. Ein weiterer Blick auf die Zahlen des italienischen Statistikamtes zeigt die Richtung der Entwicklung: Selbst die offiziell ausgewiesene Jugendarbeitslosigkeit erreicht in den südlichen, ärmeren Landesteilen einen Wert von über 48 %. Damit erlebt die Generation der heute 15-24-jährigen Süditaliener einen sehr harten Aufschlag in das Berufsleben. Damit kann Süditalien durchaus zu einem Brandherd des wirtschaftlichen Abschwungs werden, dessen fehlende wirtschaftliche Dynamik durchaus auch auf die anderen Landesteile übergreift. Ein weiteres Indiz sind die landesweit sinkenden Beschäftigtenzahlen, die mit einem Minus von 81.000 Arbeitnehmern zu Buche schlagen.

Deshalb stellt sich für viele Betrachter der Märkte die Frage gar nicht, OB Italien irgendwann Hilfsgelder beantragen wird. Die Frage ist vielmehr nur wann. Und ob bis dahin die Bürgerinnen und Bürger Europas davon überzeugt sind, dass das freie Spiel der Kräfte, Märkte und Währungen nicht viel besser ist als der europäische Zentralismus? Die Woche wird erst einmal das Zähneknirschen und Flehen der deutschen Bundesregierung um die Verwirklichung des sog. Fiskalpaktes erleben. Davon hängt auch ab, ob der ESM in Betrieb gehen kann und die einzelnen Staaten diesen mit 700 Milliarden Euro Grundkapital munitionieren werden. Für Konjunkturbeobachter und Finanzmarktinteressierte brechen also in Europa spannende Zeiten an.

Hintergrundinformationen bzw. Originaldaten gibt´s hier:
http://www.istat.it/en/archive/64434
http://www.istat.it/en/archive/63933



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